Die Kreislaufwirtschaft – attraktives Modell für die Unternehmen

Zirkularität
Zirkularität

Ressourcen müssen weltweit geschont werden; Rohstoffe werden knapper; Kundinnen und Kunden interessieren sich zunehmend für Nachhaltigkeit; die Materialforschung liefert umsetzungsreife Erkenntnisse. Deshalb wird das Modell der Kreislaufwirtschaft (KLW) attraktiver. Wirk4tomorrow bietet einen eigenen Workshop an, um alle Aspekte der Kreislaufwirtschaft in Unternehmen zu vertiefen – das Puzzle der Kreislaufwirtschaft.
Die Idee KLW kann nur funktionieren, wenn die Unternehmen aller Größen mitmachen. Das Gute: Für viele Unternehmen ist es denkbar, dass ihre Produkte nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft profitabel hergestellt werden können. Für kleinere Unternehmen und Start-ups kommt dieses Modell sogar ganz kurzfristig in Frage. Sie können den Weg in die KLW ohne große Transformationsanstrengungen gehen.

Dieser Artikel stellt die Kreislaufwirtschaft vor und gibt Auskunft, warum sich Unternehmen damit befassen sollten. Er bietet außerdem Orientierung über den Rahmen, den die Politik vorgibt.


Viele Kundinnen und Kunden ziehen nachhaltige Produkte anderen vor. So wird die Beteiligung an der KLW zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

Das Value-Hill Modell und die Definitionen des Wirtschaftens

In den letzten 50 Jahren hat sich der Abbau von Materialien weltweit mehr als verdreifacht. Heute landen meistens diese Rohstoffe noch häufig im Abfall. Oder bestenfalls im Recycling – was zumeist ein Downcycling ist, also die Umwandlung des Produktes in ein qualitativ schlechteres Endprodukt. Das „Value Hill“ – Modell von Elisa Achterberg und Jeroen Hinfelaar veranschaulicht die verschiedenen Arten des Wirtschaftens. Dieser „Wertehügel“ hat eine linke Seite, wo die Wertschöpfung „bergauf“ beginnt. Dazu zählen Rohstoffgewinnung (Extrahieren), Herstellung, Montieren und Vertrieb. Dabei wächst der Wert mit jedem Schritt an (pre-use-Phase, Wertschöpfung). An der Spitze des Hügels, auf dem Plateau, erfolgt die Nutzungsphase (use, Wertabschöpfung). Der Wert ist hier am größten, und der Preis, den Kundinnen und Kunden bezahlen, der höchste zu erzielende – außer man steht auf vintage. Dann geht es auf der anderen Seite des Hügels wieder bergab. Dabei verliert das Produkt an Wert (post-use, Wertverlust). Wir nutzen dieses Diagramm, um die verschiedenen Modelle des Wirtschaftens vorzustellen:

Lineares Wirtschaften

Beim klassischen linearen System vom Rohstoff über die Produktion und Nutzung steht das Lebensende auf der Müllkippe an. Oder in der Müllverbrennung, auf dem Autofriedhof oder der Elektroschrotthalde. Manchmal aus unserer Sicht in anderen Kontinenten. Wegwerfen führt dazu, dass Ressourcen nicht zurückgewonnen werden. Dieses Wirtschaften steht zunehmend in der Kritik. Es führt zu erheblichem Ressourcenverbrauch und Abfallproduktion. Es belohnt außerdem Produzenten und Konsumenten insofern, als dass es die Umweltkosten externalisiert, also von der Gesamtgesellschaft bezahlen lässt.

Recyclingwirtschaft

Hierbei wird dem linearen System eine Recyclingschleife hinzugefügt. Viele Unternehmen beteiligen sich daran und bieten etwa Rücknahmen oder Sammelstationen an. Das gibt es aber noch zu wenig. Die Recyclingquote zum Beispiel bei Textilien liegt in Deutschland bei rund 12 Prozent, weltweit bei nur einem Prozent. Ob überhaupt recycelt wird, hängt davon ab, ob generell ein Sammel- und Sortiersystem zur Verfügung steht. Diese Infrastruktur fehlt fast überall. Ergebnis: Bei den heutigen Recyclingsystemen wird bislang nur ein kleiner Teil der Wertstoffe in die Kreisläufe geführt. Deshalb reduziert dieses Modell zwar den Abfall der linearen Wirtschaft, adressiert aber nicht den gesamten Lebenszyklus von Produkten.

Kreislaufwirtschaft

Einen umfassenden Ansatz verfolgt die Kreislaufwirtschaft mit ihrem zirkulären System. In der Kreislaufwirtschaft werden die (biologischen und nicht-biologischen) Rohstoffe immer wieder genutzt. Ein echter Vorteil, denn nur so werden die planetaren Grenzen an dieser Stelle nicht weiter überschritten. In diesem Zusammenhang wird dann von „primären“ und „sekundären“ Rohstoffen gesprochen. Das zirkuläre Design denkt bei den Teilschritten Rohstoffgewinnung-Produktion-Nutzung-Materialrückgewinnung immer an den Neubeginn des Zyklus. Zirkuläre Strategien halten das Produkt so lange wie möglich auf dem Plateau, also am größten Wert. Auch der Abstieg erfolgt recht langsam und wird immer wieder gebremst, indem mit verschiedensten Techniken die Lebensdauer verlängert wird. Die Phase des post-use wird so zu Wert-Wiedergewinnungsphase. Ressourcen beispielsweise können dann wieder als „Sekundärrohstoff“, als Rezyklate, am Anfang des Zyklus‘ stehen. Wert zufügen und Wert erhalten bilden also einen Kreislauf. Aus der Wissenschaft kommen bereits viele Erkenntnisse und Impulse, wie das für viele Materialien umgesetzt werden kann. Zwei echte Vorteile für die Unternehmen: Die Abhängigkeit von Rohstoffen nimmt ab, und die Attraktivität für die Kundinnen und Kunden nimmt zu. Die Prinzipien, auf denen das Modell beruht, betrachten wir etwas näher im Kapitel über die „R-Strategien“.

Kreislaufwirtschaft als Modell

In einem echten Kreislaufmodell entsteht kein Abfall. Produkte werden so geplant, dass Ressourcen dauerhaft genutzt werden. Sollten Abfälle unvermeidbar sein, dann werden auch diese weiter verwertet. Die Ellen MacArthur Foundation hat in einem „Schmetterlingsdiagramm“ die KLW deshalb in zwei miteinander verbundenen Kreisläufen dargestellt. Im biologischen Kreislauf gelangen die Stoffe nach der Nutzung in die Natur zurück; im technischen Kreislauf sollen die Produkte so gestaltet sein, dass die Verschwendung sehr gering bleibt.

Ein Unternehmen, welches nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft handelt, rückt den Umgang mit Ressourcen in den Mittelpunkt. Das Geschäftsmodell bezieht deshalb u.a. Entmaterialisierung, Langlebigkeit, Reparatur, Refabrikation, verstärkte Wiederverwendung und Recycling mit ein. Es möchte also den Wert eines Produktes möglichst lang erhalten.

Die „R-Strategien“

Schon bei der Nutzung bzw. danach stehen auf der rechten Seite des Hügels im Bild die so genannten „R-Strategien“ im Mittelpunkt (post-use, Wertwiedergewinnung). Hier die wichtigsten R-Strategien:

Repair

Hier geht es um die Reparatur bzw. Wartung nicht mehr funktionsfähiger Produkte. Mit einer Reparatur können sie wie vorgesehen weiter verwendet werden. Abgenutzte Produkte müssen nicht entsorgt oder ersetzt werden durch ein vollkommen neues. Die Nachfrage nach neuen Rohstoffen kann so gesenkt werden. Ein Markt ist dabei schon mit den Reparaturcafés erschlossen worden. Mit diesen lokalen Initiativen wird ein Anreiz geschaffen, sich mit anderen zu vernetzen. Dabei kann man sich beraten lassen, wie denn ein nicht funktionsfähiges Produkt (Laptop, Fahrrad, Küchengerät, Textilien, etc.) weiter genutzt werden kann.

Reuse

Ein weiteres Grundziel ist es, Produkte und Materialien wiederzuverwenden für denselben Zweck, für den sie gedacht sind. So können Rohstoffe längere Zeit im Nutzungskreislauf verbleiben. Beispiele für zirkuläre Systeme gibt es bereits. Mund-Nasen-Masken lassen sich zum Beispiel aus biobasierten Materialien herstellen. Diese werden nach Gebrauch gereinigt und neu verarbeitet. Auch Schutzbekleidung etwa für die Feuerwehr wird für andere Produkte weiterverwendet. Noch aber sind viele Hürden zu überwinden, damit dieses Prinzip große Bedeutung gewinnt.

Refurbish

Hier geht es um die Aufbereitung der Produkte, damit sie wieder zeitgemäß und in gewohnter Qualität verwendet werden können. Gebrauchte oder defekte Produkte können durch Reinigung, Reparatur und Wiederaufbereitung in einen funktionsfähigen und optisch ansprechenden Zustand versetzt werden. Diese Strategie zielt darauf ab, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und sie wieder auf den Markt zu bringen. PC-Händler zum Beispiel bieten seit einiger Zeit schon „refurbished“-Laptops und sonstiges Computerzubehör an und steigern so ihren Umsatz. Auch Smartphones können mit einer neuen Software ausgestattet und wiederverkaufsfähig gemacht werden.

Remanufacture

Hier werden Teile von entsorgten Produkten wieder hergestellt, so dass sie in neuen Produkten mit derselben Funktion verwendet werden können. Manchmal werden gebrauchte Produkte vollständig zerlegt und wieder zusammengebaut. So kann der ursprüngliche Zustand erreicht oder sogar verbessert werden. Ein Beispiel aus der Autoindustrie: Ein gebrauchter Motor kann komplett zerlegt, gereinigt und mit neuen oder wiederaufbereiteten Teilen versehen werden. So kann manchmal die gleiche Leistung wie ein neuer Motor geboten werden.

Repurpose

Hier geht es um die Umnutzung von Produkten und die Verwendung in anderer Funktion. Ein Produkt oder dessen Teile werden für einen anderen Zweck als ursprünglich vorgesehen genutzt, um zum Beispiel seine Lebensdauer zu verlängern. Diese Strategie fördert die kreative Wiederverwendung von Materialien oder Gegenständen, die sonst entsorgt würden. Oft sind beim Repurpose kreative Ansätze erforderlich. Ein Beispiel: Ein Möbelhersteller nutzt Holzreste aus der Produktion, um neue Produkte wie kleine Dekorationsartikel oder Gartenmöbel zu schaffen. Dadurch wird Abfall reduziert und den Restmaterialien ein neuer Zweck gegeben.

Recycle

Ziel ist es hier, Materialien aus gebrauchten Produkten, die an ihr Lebensende gekommen sind, zurückzugewinnen. Sie können so zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden. Ein Beispiel aus der Elektronikindustrie: Elektronische Geräte, deren Komponenten leicht zerlegt werden können, dienen als Quelle wertvoller Metalle und Kunststoffe.
Recycling steht also ziemlich unten am Ende des rechten Teils des „Wertehügels“. Viele verbinden mit der Kreislaufwirtschaft automatisch diesen Begriff. Tatsächlich macht er aber nur einen zwar wichtigen, aber geringen Teil des Modells aus. Hinzu kommt, dass einige recycelte Rohstoffe sogar (noch) teurer auf den Markt gelangen als Primärrohstoffe. Da lohnt sich das Recycling als Marktidee (noch) nicht.

Neben diesen Strategien, die für den Werterhalt oder die Wiedergewinnung wichtig sind, gibt es noch weitere:

Reduce

Ein Grundziel der KLW ist es, den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu reduzieren. Der Ressourcenverbrauch und die Abfallproduktion sollen von Anfang an minimiert werden. Ein Beispiel: Werden Verpackungen benötigt, dann könnte das Unternehmen sie aus Rezyklaten herstellen. Diese entstehen aus schon verwendeten Materialien, werden in Sortieranlagen zerkleinert, durch verschiedene technische und chemische Verfahren sortenrein voneinander getrennt und dann zu Granulaten aufbereitet. Noch besser wäre es, auf Plastik zu verzichten und stattdessen kompostierbare Materialien zu verwenden.

Refuse

Hier geht es darum, ein überflüssiges Produkt zu vermeiden bzw. die Benutzung abzulehnen. Die Strategie zielt darauf ab, den Konsum von Einwegprodukten und nicht nachhaltigen Materialien zu vermeiden. Durch bewusstes Ablehnen kann der Markt beeinflusst werden, deren Funktion durch grundlegend andere erreicht werden kann. Eine Supermarktkette kann z.B. auf Plastiktaschen verzichten und wiederverwendbare Stofftaschen anbieten.

Rethink

  1. Perspektiven ändern: Rethink oder „Umdenken“ bedeutet, die Art und Weise zu ändern, wie wir Produkte, Dienstleistungen und deren Nutzung wahrnehmen. Es ermutigt Unternehmen und Verbraucher, die Notwendigkeit der derzeitigen Konsummuster zu hinterfragen und nachhaltigere Alternativen in Betracht zu ziehen.
  2. Innovatives Design: Es fördert das Design von Produkten, die von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Dazu gehören Langlebigkeit, leichte Zerlegbarkeit und Wiederverwertbarkeit sowie die Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus‘ eines Produkts.
  3. Geschäftsmodelle: „Rethink“ fördert die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, bei denen der Zugang Vorrang vor dem Eigentum hat. Beispiele hierfür sind Product-as-a-Service (PaaS), Leasing, Sharing-Plattformen und Abonnementmodelle. Diese Modelle können zu einer effizienteren Nutzung von Ressourcen und einer längeren Produktlebensdauer führen.
  4. Systemischer Wandel: Sie setzt sich für einen systemischen Wandel in der Wirtschaft ein, bei dem Unternehmen, Regierungen und Verbraucher zusammenarbeiten, um einen geschlossenen Kreislauf zu schaffen. Dies erfordert ein Überdenken der Politik, der Anreize und der Infrastruktur, um Kreislaufverfahren zu unterstützen.
  5. Verbraucherverhalten: Ermutigung der Verbraucher, ihre Kaufentscheidungen zu überdenken, indem sie die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen, sich für Produkte entscheiden, die nachhaltig, langlebig und reparierbar sind, und Erlebnisse über materiellen Besitz stellen.
  6. Industrie-Symbiose: „Rethink“ umfasst auch das Konzept der Industrie-Symbiose, bei dem verschiedene Industrien zusammenarbeiten, um gegenseitig ihre Nebenprodukte, Abfälle und überschüssige Energie zu nutzen. Durch diese Zusammenarbeit werden Abfälle in wertvolle Ressourcen umgewandelt, der gesamte ökologische Fußabdruck verringert und die Effizienz der Ressourcennutzung verbessert. Im Chemiepark Marl in Deutschland beispielsweise teilen sich Unternehmen Nebenprodukte wie Wasserstoff und nutzen eine gemeinsame Infrastruktur. Dies zeigt, wie das Überdenken traditioneller Industriegrenzen zu nachhaltigen Praktiken führen kann. Wir werden dieses Thema in Kürze vertiefen

Beispiele für Rethink in Aktion

  • Produkt-als-Dienstleistung: Unternehmen, die Beleuchtung als Dienstleistung anbieten, anstatt Glühbirnen zu verkaufen, wobei sie das Eigentum an den Produkten behalten und sicherstellen, dass diese ordnungsgemäß gewartet und recycelt werden.
  • Kreislauforientiertes Design: Die Entwicklung eines Smartphones, das modular aufgebaut und leicht zu reparieren oder aufzurüsten ist, verlängert die Nutzungsdauer und reduziert den Elektronikmüll.
  • Nachhaltige Mode: Modemarken, die den Verleih von Kleidung fördern oder Rücknahmeprogramme anbieten, um alte Kleidungsstücke gebraucht wieder anzubieten oder zu recyceln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es beim „Umdenken“ im Kontext der Kreislaufwirtschaft darum geht, die Art und Weise, wie wir Produkte entwerfen, produzieren, konsumieren und entsorgen, grundlegend zu überdenken und zu ändern, um eine nachhaltigere und ressourceneffizientere Wirtschaft zu schaffen.

Kreislaufwirtschaft auf Unternehmens- und Kundenebene

Ganz grob teilt sich die Unternehmenslandschaft in zwei Blöcke auf: Der erste Block besteht aus den Unternehmen, die bereits mit ihrer Geschäftsidee an der KLW beteiligt sind bzw. die davon profitieren. Wir denken da zum Beispiel an die Institute für Materialforschung, an die Umweltdienstleister im Sammel- und Recyclingbereich, oder an Online-Marktanbieter, die ein Interesse daran haben, auch den Second-Hand-Markt oder den Markt für Refurbished-Produkte zu bedienen. Für sie ist das Modell der Kreislaufwirtschaft besonders attraktiv. Gerade in der Forschung können Innovationen zur Marktreife gebracht werden. Damit wird dann der Wirtschaftsstandort gestärkt, wenn die Nachfrage nach diesen Innovationen weltweit steigt.
Der zweite Block sind alle Unternehmen, die ihr Wirtschaftsmodell transformieren müssen, wenn sie sich für die KLW interessieren. Allein das wird ein Kraftakt. Stellt ein Unternehmen seine Produkte auf die Kreislaufwirtschaft um, dann benötigt es eine Datenstrategie. Das Wissen darüber ist essentiell, woraus die Produkte des Unternehmens bestehen und wie hoch die kreislauffähigen Anteile sind. Auf dieser Grundlage kann man überlegen, welche Materialien ersetzt bzw. verworfen werden müssen. Hier kann das Unternehmen sich viele Erkenntnisse der Wissenschaft zu eigen machen. Dort werden gerade bei der Materialanalyse schon viele Wege aufgezeigt, wie die Rezyklatanteile erhöht werden können. Die Kreislaufwirtschaft kann dann erfolgreich eingeführt werden, wenn man bereits beim Produktdesign die Chancen der R-Strategien berücksichtigt. Und was die Kundschaft betrifft: Um auf dem Markt erfolgreich zu sein, ist eine KLW-Kommunikationsstrategie der Unternehmen nötig, die die Kundinnen und Kunden anspricht und mitnimmt.

Produktdesign

Ziel ist es hier, dass das Produktdesign kreislauffähig ist. Um den Fußabdruck zu minimieren, werden wenn möglich Produkte unter Verwendung von Rezyklaten entworfen. In der Getränkeindustrie zum Beispiel sind Kunststoffflaschen denkbar, die zu 100 Prozent aus wiederverwerteten Materialien bestehen. Produkte werden modular gestaltet, um die Wiederverwendbarkeit zu maximieren. Ein Beispiel sind modulare Smartphones, bei denen einzelne Teile wie Akkus oder das Display leicht ausgetauscht werden können. Und schließlich sollen Produkte so konzipiert werden, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer leicht zerlegt und recycelt werden können. In der Möbelindustrie zum Beispiel sind Möbelstücke aus reinem Holz denkbar, die ohne den Einsatz von chemischen Klebstoffen zusammengebaut werden.

Benutzung

Nutzerinnen und Nutzer sollten Produkte effizient und lange nutzen. Hier benötigt der Endverbraucher viele Angaben des Herstellers des Produktes. In der Lebenszyklusanalyse (LCA) wird im Unternehmen ermittelt, wie lange ein Produkt hält. Die Lebensdauer ist in der Regel am Produkt vermerkt. Wird es schonend benutzt, kann die Lebensdauer verlängert werden. Apps helfen zum Beispiel dabei, Produkte optimal einzusetzen. Auch die Ermutigung zur Reparatur ist wichtig. Hier kann das Unternehmen einen Service anbieten bzw. Kontakte zu anderen Dienstleistern herstellen – es gibt zum Beispiel Reparaturdienste oder die oben genannten Reparaturcafés, wo Teilnehmerinnen und Teilnehmer alleine ihre kaputten Dinge reparieren. Ein wunderbares Beispiel ist auch der Outdoor-Bekleidung-Anbieter Patagonia, der in seinen Geschäften teilweise kleinere Reparaturen kostenfrei anbietet.

Wiederverwertung

In der Wiederverwertung wird darauf geachtet, den Materialverlust zu minimieren und so viel wie möglich von den eingesammelten Materialien wieder in den Produktionskreislauf einzuführen. Noch funktionsfähige Teile und Komponenten werden aus gebrauchten Produkten gewonnen und direkt wiederverwendet. In der Papierindustrie zum Beispiel wird Papier recycelt, um neues Papier herzustellen, etc. Hier ist noch großer Aufbaubedarf etwa von Dienstleistern, die Sammelstationen etc. anbieten, nötig. An den Schnittstellen Hersteller/Handel/Kunde gibt es noch erhebliches Optimierungspotenzial.

Industrie-Kooperationen als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft

Die industrielle Zusammenarbeit spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung der Kreislaufwirtschaft, indem sie die effiziente Nutzung von Ressourcen, die Reduzierung von Abfällen und die Förderung der Nachhaltigkeit unterstützt. Bei diesem Ansatz arbeiten verschiedene Unternehmen innerhalb einer Region zusammen, um Ressourcen wie Materialien, Energie, Wasser und Nebenprodukte gemeinsam zu nutzen. Auf diese Weise verbessern sie nicht nur ihre betriebliche Effizienz, sondern reduzieren auch ihre Umweltauswirkungen erheblich. Wir stellen hier einige Beispiele vor:

Kalundborg in Dänemark

Ein bekanntes Beispiel für diesen kooperativen Ansatz ist das Industriegebiet Kalundborg in Dänemark. Hier teilen sich mehrere Unternehmen, darunter Novo Nordisk und Novozymes, Ressourcen wie Restwärme, Wasser und Nebenprodukte. Diese Zusammenarbeit hat zu erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen geführt, darunter die Einsparung von Millionen Kubikmetern Wasser und die Reduzierung der CO2-Emissionen um Hunderttausende von Tonnen jährlich. Solche Initiativen zeigen, dass Unternehmen ein nachhaltigeres und effizienteres industrielles Ökosystem schaffen können, wenn sie Abfall als Ressource betrachten.

Initiative ZIRI

Die Initiative ZIRI (Zone d’Intégration des Réseaux Intelligents), die von Bordeaux Technowest verwaltet wird, ist ein herausragendes Beispiel für industrielle Zusammenarbeit zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. ZIRI wurde 2014 ins Leben gerufen und umfasst 60 Unternehmen in Bordeaux Métropole, die zusammen 3.000 Arbeitsplätze bieten. Das Netzwerk begann zunächst im Ecoparc de Blanquefort und hat sich seitdem auf andere Industriegebiete ausgeweitet, darunter Le Haillan, Mérignac und Artigues-près-Bordeaux.

ZIRI ermöglicht zahlreiche Formen der Synergie zwischen seinen Mitgliedsunternehmen, darunter:

  1. Gemeinsame Nutzung von Ressourcen: Die Unternehmen arbeiten zusammen, um lokale Ressourcen gemeinsam zu nutzen und zu optimieren. Dazu gehören der gemeinsame Einkauf von Energie, die gemeinsame Abfallsammlung und verschiedene gemeinsame Dienstleistungen. Dieser Ansatz hilft, Kosten zu senken und die Ressourceneffizienz zu verbessern.
  2. Substitution von Ressourcen: Abfälle oder Nebenprodukte eines Unternehmens werden von einem anderen Unternehmen als Ressourcen genutzt. Dabei kann es sich um alles handeln, von Energie und Materialien bis hin zu Ausrüstung und Arbeitskräften, wodurch potenzielle Abfälle in wertvolle Inputs für andere Unternehmen umgewandelt werden.
  3. Energie-Projekte: ZIRI nutzt sein Netzwerk von Energieexperten, um Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien zu initiieren, die sich insbesondere auf den Eigenverbrauch konzentrieren. Das Netzwerk hilft Unternehmen auch bei der Reduzierung oder Optimierung ihres Energieverbrauchs.
  4. Abfallwirtschaft: Das Netzwerk stellt innerhalb des Green Tech-Inkubators von Bordeaux Technowest Sammelstellen für Abfälle zur Verfügung, an denen die Mitglieder Elektronikschrott, Lampen, Batterien und Möbel entsorgen können. Dieser zentralisierte Ansatz vereinfacht das Abfallmanagement und fördert das Recycling.

Darüber hinaus organisiert ZIRI verschiedene Veranstaltungen und Workshops, die sich mit Energieeffizienz, Abfallmanagement und anderen Nachhaltigkeitsthemen befassen. Diese Aktivitäten sollen die Zusammenarbeit und den Austausch von Best Practices unter den Mitgliedsunternehmen fördern.

Ein Beispiel für die Wirkung von ZIRI sind die Workshops, zu denen Unternehmen eingeladen werden, um potenzielle Synergien zu diskutieren und zu erkunden. Bei einem Workshop in Artigues-près-Bordeaux beispielsweise identifizierten 25 Unternehmen aus verschiedenen Sektoren fast 200 potenzielle Synergien. Dazu gehörten der Austausch von Ressourcen, die Nutzung von Koprodukten und die gemeinsame Nutzung von Fachwissen. Dies unterstreicht die Rolle des Netzwerks bei der Förderung der Kreislaufwirtschaft durch praktische, gemeinschaftliche Bemühungen.

Modellregion Industrielle Symbiose Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es verschiedene Initiativen zur Förderung der industriellen Symbiose. Ein Beispiel ist die „Modellregion Industrielle Symbiose“, die von der Landesregierung unterstützt wird. In dieser Region arbeiten Unternehmen verschiedener Branchen zusammen, um Abfallprodukte und Nebenprodukte zu nutzen. Ein konkretes Beispiel ist die Nutzung von Abwärme aus industriellen Prozessen für die Beheizung von Wohngebieten und Gewächshäusern.

Fazit Industrie-Kooperationen

Diese Beispiele unterstreichen die Bedeutung der industriellen Zusammenarbeit bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Durch die Förderung einer offenen Kommunikation und von Partnerschaften zwischen Unternehmen können Regionen widerstandsfähige und effiziente Industrienetzwerke schaffen, die sowohl der Wirtschaft als auch der Umwelt zugute kommen. Solche Initiativen zeigen das Potenzial auf, diese Modelle weltweit zu replizieren, um eine Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Politik und Kreislaufwirtschaft

Rechtsvorschriften und Maßnahmen zur KLW sind von der Politik angedacht bzw. bereits vorgelegt worden. Mit den Rechtsvorschriften will die Politik einen verlässlichen Rahmen für die Unternehmen bieten. Mit Gesetzen und dem Ordnungsrecht sollen Unternehmen so angestupst werden, dass sie das Modell der Kreislaufwirtschaft übernehmen. Die Politik erkennt ausdrücklich, dass die Transformation zur Kreislaufwirtschaft erhebliche finanzielle Investitionen erfordert. Diese müssten aber weitestgehend durch private Investitionen geleistet werden. Wir empfehlen, sich die politische Diskussion genauer anzuschauen, da nachhaltige Geschäftsmodelle bewusst gefördert werden sollen. Auch manche Investoren achten mittlerweile auf Transformationsideen zu mehr Nachhaltigkeit. Wir konzentrieren uns beim Blick auf die Politik auf die Europäische Union und die nationale Gesetzgebung.

Brüssel

Vor neun Jahren verabschiedete die EU-Kommission ein Paket zur Kreislaufwirtschaft und schob dann 2019 und 2020 die Vorschläge der Umsetzung des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft hinterher. Im Aktionsplan der Kommission werden sieben Schlüsselbereiche ausgemacht, die für die Verwirklichung einer Kreislaufwirtschaft von wesentlicher Bedeutung sind: Kunststoffe, Textilien, Elektronik, Lebensmittel, Wasser und Nährstoffe, Verpackungen, Batterien und Fahrzeuge, Bauwirtschaft und Gebäude. Davon sind etliche Unternehmen betroffen. Seitdem sind im Rahmen des European Green Deals zahlreiche Verordnungen auf den Weg gebracht worden, die das Thema KLW direkt ansprechen. Das Gesamtpaket ist hier zu finden. Ob Abfallrahmenrichtlinie, Ökodesignverordnung, Elektrogeräteverordnung oder die „Right to repair“-Richtlinie, REACH für Chemikalien, Erweiterte Herstellerverantwortung oder die Verpackungsverordnung – der „ökologische Gesetzesabdruck“ der EU wird immer größer.

Berlin

Diejenigen Verordnungen der EU, die nicht unmittelbar gelten, werden nach und nach in nationale Regelungen übersetzt. Die Bundespolitik hat das Thema KLW umfassend in ihrem Entwurf einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) diesen Sommer adressiert. Die NKWS setzt bei den Rohstoffen an. Eine Halbierung der Rohstoffnutzung wird angestrebt. Sie adressiert als Ziel, die Rezyklateinsatzquoten zu erhöhen. Die Schließung von Stoffkreisläufen für alle Rohstoffarten – von Baustoffen bis zu kritischen Industriemetallen – wird als besonders wichtig angesehen. Die Strategie setzt teils auf vorhandenen Vorgaben auf und will sie im Sinne der KLW ausbauen. Zwei Beispiele: Bei der Normung soll definiert werden, welche Produkte und Verfahren kreislauffähig sind. Und die vorhandenen Siegel – etwa der Blaue Engel – sollen weiterentwickelt und zu einem Gütesiegel der KLW werden.

Mit sehr hoher Flughöhe benennt die NKWS die Rolle der Unternehmen: „Eine zirkuläre Wirtschaft bietet große ökonomische Chancen. Studien aus Wirtschaft und Wissenschaft zeigen eindrucksvoll die Potentiale der Kreislaufwirtschaft für Innovation, Wertschöpfung, neue zirkuläre Geschäftsmodelle und Versorgungssicherheit. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Beratungsunternehmen Deloitte gehen bis 2030 von einer jährlichen Steigerung der Bruttowertschöpfung der deutschen Wirtschaft um 12 Mrd. € sowie einem Beschäftigungszuwachs von 117.000 Arbeitsplätzen aus. McKinsey schätzt das globale Marktpotenzial bei Konsumgütern der Kreislaufwirtschaft mittelfristig (2030) auf 650 Mrd. € pro Jahr.“ Mit Optimismus adressiert die Bundesregierung auch das Thema, dass die KLW neue Technologien hervorbringt, die dann wiederum den Standort Deutschland stärken.

Tatsächlich gibt es aus Unternehmenssicht klare Defizite der Strategie, u.a.:

1. Die Rolle der Unternehmen wird nicht hinreichend geklärt. Sie finden sich in diesem Papier, was sehr den Endkunden in den Mittelpunkt stellt, nicht konkret wieder. Es ist kaum erkennbar, wie Unternehmen mit aktuell linearen Modellen sich zu zirkulären Unternehmen weiterentwickeln können, ohne dabei in wirtschaftlich schweres Fahrwasser zu geraten.
2. Die konkreten Aspekte einer wettbewerbsfähigen Wirtschaftstransformation werden nicht klar benannt. Geförderte Vernetzungsinitiativen zwischen den Wirtschaftsakteuren zur praktischen Umsetzung der Ziele werden nicht benannt.
3. Wie Sekundärrohstoffe wirtschaftlich verfügbar gemacht werden können, lässt die Strategie offen.

Sonderkapitel Förderungen

Im Förderkompass des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sind die wichtigsten Fördermöglichkeiten für KMUs zusammengefasst, wenn es um die Themenbereiche Klima und Umwelt geht. Hier kann es heruntergeladen werden. Bezüglich der Kreislaufwirtschaft soll es nun schnell zu weiteren Förderungen kommen. Alle bestehenden Förderprogramme bedürfen einer Öffnung in Richtung Kreislaufwirtschaft. Hierbei ist von „staatlichen Anschubfinanzierungen“ die Rede. Programme bei der Förderbank KfW sollen hinzukommen. Sie soll „als Innovations- und Investititonsbank sowie als Co-Wagniskapitalgeber“ Partner der Unternehmen sein. „Öffentliche Mittel können anschieben, anreizen und flankieren“, betont die NKWS – d.h., eine Förderung auf breiter Basis für Transformationsanstrengungen ist nicht zu erwarten.

Fazit

Die Kreislaufwirtschaft stellt ein besonders nachhaltiges Wirtschaftsmodell dar. Mit den R-Strategien, darunter reduce, reuse und recycle, wird die Ressourcennutzung optimiert. Abfälle werden minimiert. Das „Value-Hill“ Diagramm veranschaulicht die Vorteile der Kreislaufwirtschaft. Durch intelligentes Produktdesign, verantwortungsbewusste Nutzung und effiziente Wiederverwertung kann die Umweltbelastung stark reduziert werden. Ein zentraler Aspekt in allen Branchen, wo mit Kunststoffen gearbeitet wird, ist die Verwendung von Rezyklaten. Es verringert den Einsatz von Primärrohstoffen und trägt zur Schaffung eines geschlossenen Materialkreislaufs bei. Die Transformation dazu ist aber gerade am Anfang sehr kostenintensiv. Wir hoffen, dass immer mehr Kundinnen und Kunden in Zukunft dieses Modell belohnen und den dort erzeugten Produkten den Vorzug geben. Damit hätte das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, dass nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft wirtschaftet.

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